Offener Brief zur Neuaufstellung der Regionalredaktionen und der Zukunft des Lokaljournalismus im Kreis Euskirchen

 

Sehr geehrter Herr Dr. Bauer,

 guter Lokaljournalismus ist für den Kreis Euskirchen unverzichtbar. Umso mehr sorgen uns die angekündigten Veränderungen bei den Regionalredaktionen. Wir fragen uns, was diese Neuaufstellung am Ende ganz konkret für die journalistische Präsenz bei uns vor Ort bedeutet.

Diese Sorge teilen wir als SPD Kreis Euskirchen und als SPD-Fraktionen im Kreistag sowie in den Städten und Gemeinden unseres Kreises. Deshalb wenden wir uns gemeinsam an Sie.

Der Kölner Stadt-Anzeiger und die Kölnische Rundschau gehören seit Jahrzehnten zum öffentlichen Leben im Kreis Euskirchen. Die Menschen Ihrer Lokalredaktionen berichten über das, was unmittelbar vor unserer Haustür geschieht. Über politische Entscheidungen genauso wie über Unternehmen, Vereine, Schulen, Kultur, Ehrenamt und vor allem über die Menschen, die unsere Städte und Dörfer prägen. Diese Berichterstattung ist für unsere Region unverzichtbar.

Umso mehr beunruhigt die beschlossene Neuorganisation. Mit dem Ende der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft zum 30. September 2026 werden 57 Stellen wegfallen. Damit verantwortet der DuMont Verlag einen erheblichen personellen und strukturellen Einschnitt in der bisherigen regionalen Berichterstattung einherzugehen.

Der Veränderungen der Medienwelt sind wir uns bewusst. Menschen konsumieren Nachrichten heute anders als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Verlage müssen darauf Antworten finden und selbstverständlich gehört dazu auch, digitale Angebote weiterzuentwickeln. Aber digitaler zu werden darf nicht bedeuten, sich vor Ort zurückzuziehen. Denn Lokaljournalismus lebt von Nähe und Ortskenntnis. Von Journalistinnen und Journalisten, die eine Region kennen. Die wissen, dass der Kreis Euskirchen nicht an den Grenzen der Kreisstadt aufhört. Die unsere elf Städte und Gemeinden und die vielen Dörfer kennen. Die wissen, wer vor Ort Verantwortung übernimmt, welche Debatten schon seit Jahren geführt werden und warum ein Thema, das von außen vielleicht klein erscheint, für ein Dorf oder eine Gemeinde sehr wichtig sein kann.

Gute Lokaljournalisten kennen Ansprechpartner, Vorgeschichten und Zusammenhänge. Sie wissen auch, welche Themen wichtig sind, obwohl sie vielleicht keine großen Klickzahlen versprechen. Diese Ortskenntnis entsteht über Jahre. Sie lässt sich weder zentralisieren noch automatisieren. Und diese Arbeit lässt sich auch nicht allein vom Schreibtisch in einer Verlagszentrale leisten. Diese Menschen sind auch die Gesichter und Botschafter ihres Verlagshauses.

Wir erleben in unserer kommunalpolitischen Arbeit selbst, welchen Unterschied es macht, ob Journalistinnen und Journalisten regelmäßig vor Ort sind. Sie kennen die handelnden Personen, erinnern sich an frühere Entscheidungen, fragen nach und können Entwicklungen einordnen. Genau das macht guten Lokaljournalismus aus. Und wir sagen ausdrücklich: Dazu gehört auch, dass Politik kritisch begleitet wird. Lokaljournalismus muss uns als Partei nicht gefallen. Journalistinnen und Journalisten sollen nachfragen, widersprechen und den Finger in die Wunde legen, wenn es notwendig ist. Auch wenn das für uns manchmal unbequem ist.

Denn eine lebendige kommunale Demokratie braucht Öffentlichkeit. Und die entsteht nicht nur durch die Berichterstattung darüber, was in Berlin, Düsseldorf oder Köln passiert. Viele Entscheidungen, die den Alltag der Menschen unmittelbar betreffen, fallen im Kreistag, in den Räten und Ausschüssen unserer Städte und Gemeinden. Andere wichtige Geschichten entstehen in Vereinen, Unternehmen, Schulen, Initiativen oder einfach mitten im Dorf. Das war bisher das große Pfund der Lokalteile des Kölner Stadt-Anzeigers und der Kölnischen Rundschau. Während andere Medien diese Breite und Tiefe in der Berichterstattung über das Lokale nicht leisten oder nicht mit einem journalistischen Standard tun können, bestand hierin das Alleinstellungsmerkmal Ihrer Zeitungen.

Wenn journalistische Strukturen in einer Region erst einmal verschwunden sind, lassen sie sich nicht einfach wieder aufbauen. Wenn journalistische Präsenz verloren geht, verliert eine Region auch ein Stück ihrer Öffentlichkeit.

Gerade wir im Kreis Euskirchen wissen, welchen Wert eine verlässliche lokale Berichterstattung hat. Während der Flutkatastrophe, in den Jahren des Wiederaufbaus und bei vielen anderen großen und kleinen Themen waren und sind Journalistinnen und Journalisten vor Ort. Sie hören zu, fragen nach, ordnen ein und geben den Menschen eine Stimme. Sie begleiten Entwicklungen, die unsere Region über Jahre beschäftigen und teilweise bis heute prägen.

Die Verlautbarungen Ihres Verlages sprechen davon, dass auch künftig Reporterinnen und Reporter in allen Regionen präsent sein werden und feste Berichtsgebiete betreuen sollen. Entscheidend ist allerdings, wie es sich konkret darstellt und was dies in der Praxis für den Kreis Euskirchen bedeutet.

Der Kölner Stadt Anzeiger und die Kölnische Rundschau sind hier eben nicht irgendein Nachrichtenangebot. Sie sind Teil unserer Region. Diese Nähe zu den Menschen und zu den Themen vor Ort ist eine ihrer großen Stärken. Wer an dieser Nähe spart, spart am Kern des eigenen Produkts.

Deshalb appellieren wir an Sie, die journalistische Präsenz im Kreis Euskirchen dauerhaft zu sichern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die diese Arbeit heute mit ihrer Erfahrung und ihrer Kenntnis unserer Region leisten, eine verlässliche Perspektive mit guten Arbeitsbedingungen zu geben.

Digitalisierung und guter Lokaljournalismus sind für uns keine Gegensätze. Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten Menschen zu erreichen. Auch der beste digitale Auftritt braucht am Ende Journalistinnen und Journalisten, die vor Ort sind, zuhören, recherchieren, nachfragen und unsere Region kennen.

Wir wünschen uns deshalb ein klares Bekenntnis Ihres Hauses zu einer starken und dauerhaft präsenten Lokalredaktion im Kreis Euskirchen.

 Mit freundlichen Grüßen

 

Annegret Lewak
Kreisvorsitzende

Thilo Waasem
Fraktionsvorsitzender
Kreistag Euskirchen

Tenzin Naktsang
Fraktionsvorsitzender
Stadt Bad Münstereifel

Wilfried Wutgen
Fraktionsvorsitzender
Gemeinde Blankenheim

Iris Guder
Fraktionsvorsitzende
Gemeinde Dahlem

Michael Höllmann
Fraktionsvorsitzender
Stadt Euskirchen

Heinz-Bert Wembs
Fraktionsvorsitzender
Gemeinde Hellenthal

Karl Vermöhlen
Fraktionsvorsitzender
Gemeinde Kall

Betram Wassong
Fraktionsvorsitzender
Stadt Mechernich

Gehard Mayer
Fraktionsvorsitzender
Gemeinde Nettersheim

Carsten Christians
Fraktionsvorsitzender
Stadt Schleiden

Hartmut Schielke
Fraktionsvorsitzender
Gemeinde Weilerswist

Marvin Strick
Fraktionsvorsitzender
Stadt Zülpich

Marie-Louise Knapp
Landtagskandidatin
Wahlkreis 8 Euskirchen I

Andreas Isecke
Landtagskandidat
Wahlkreis 12 Düren II/Euskirchen II

Gisela Hein
Landtagskandidatin
Wahlkreis 27 Rhein-Sieg III – Euskirchen III